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Die völlige Hingabe der Forscher an die Wissenschaft,
die sorgfältige Beachtung des Details,
   die unermüdliche Energie, der “faustische” Forschungsgeist,
      das geniale Organisationstalent, all das wird kaum
            Nachahmer in anderen Ländern finden,
falls diese jemals ihre Wissenschaft wieder aufbauen müssen.
                        (Michaelis, Anthony R. Wissenschaft in Deutschland: Niedergang u. neuer Aufstieg: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1983, S. 84)
Chronologie
Diese Chronologie besteht aus den wichtigsten Highlights der deutschen Nachkriegszeit. Jedes Ereignis wurde mehrfach von unseren Fachexperten überprüft und mit Literaturangaben belegt.
Anregungen? Schreiben Sie uns!


1949 WEST:
- Gründung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung, sie wird zur größten Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Europa
- laut Artikel 5, Abschnitt 3 des Grundgesetzes der BRD sind „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre [...] frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung”
- der Stuttgarter Philosoph Max Bense schreibt in seinem Buch „Technische Existenz”, dass die technische Welt „die härteste und unwiederruflichste Realität” des Menschen ist, die nur mit äußerster Rationalität „geistig in der Hand zu halten ist”
- in Königstein bei Frankfurt kommen die elf Kultus- und Finanzminister der Länder der drei Westzonen in Deutschland zusammen, sie beschließen ein föderales Modell für Bildung und Forschung, das sogenannte Königsteiner Abkommen
- der Biochemiker Adolf Butenandt bekommt nachträglich den Nobelpreis überreicht, er hatte ihn bereits 1939 für seine bahnbrechenden Arbeiten über Sexualhormone verliehen bekommen aber unter Hitler nicht annehmen dürfen
- der Biochemiker Otto Heinrich Warburg verfeinert seine Ergebnisse über die Ursache der Entstehung von Krebszellen; der „Warburg-Effekt” könnte bis heute noch zu neuen Medikamenten in der Krebstherapie führen
- Carl Friedrich von Weizsäcker beschäftigt sich in „Die Geschichte der Natur” mit den Erkenntnisfragen der Naturwissenschaft sowie der Bedeutung und Verantwortung der Wissenschaft für die Gesellschaft.
- der Philosoph Karl Jaspers veröffentlicht „Vom Ursprung und Ziel der Geschichte”, Jaspers entwickelt eine eigenständige Ausformung der Existenzphilosophie
- Gründung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft als zentrale Organisation der deutschen Wirtschaft zur Förderung von Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre
- Einrichtung der Kultusministerkonferenz (KMK) der Bundesländer zur Etablierung eines „kooperativen Förderalismus“ in der Schul- und Bildungspolitik.

OST:
- Gründung des RGW (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe in Warschau); der RGW soll - als Reaktion auf den Marshallplan der USA -einen sozialistischen Weltmarkt etablieren, u. a. durch Koordination der einzelnen Writschaftspläne der Länder.
- Reform der Wissenschaft und Kultur: Aufbau der Universitäten, Gründung von „Arbeiter- und Bauernfakultäten“, Reorganisation der Deutschen Akademie der Wissenschaften und Stiftung von Nationalpreisen für herausragende künstlerische und wissenschaftliche Leistungen

1950 WEST:
- Kurt Alder und sein Lehrer Otto Paul Hermann Diels erhalten für die Entwicklung eines der wichtigsten Syntheseverfahren der organischen Chemie, die sogenannte Diels-Alder-Reaktion, den Nobelpreis für Chemie
- die Siemens-Tochter ELEMA stellt erstmals einen Tintenstrahldrucker (Ink-Jet) vor
- Entwicklung des Feldelektronenmikroskops, eines linsenlosen Emissionsmikroskops, das Vergrößerungen bis zum Millionenfachen erlaubt, durch den Physiker Erwin W. Müller
- der Religionsphilosoph Martin Buber - 1933 entlassen an der Universität Frankfurt - veröffentlicht „Pfade in Utopia”; sein Hauptziel ist die Erneuerung des abendländischen Judentums aus dem Geist der Bibel
- die Badische Anilin- & Soda-Fabrik, BASF, entwickelt das Styropor

OST:
- Gründung der Deutschen Akademie der Künste in Berlin; der erste Präsident wird der Schriftsteller Arnold Zweig
- Aufnahme der DDR in den RGW
- Eröffnung der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig als zentrale Lehr- und Forschungsstätte des DDR-Sports
- der Computerpionier Nikolaus Joachim Lehmann entwickelt mit dem „Programmierbaren Rechenautomat D1“ (Dresden 1) den ersten Computer der DDR, trotz erheblicher Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Elektronenröhren und anderen Bauteilen

1951 WEST:
- Gründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG); Ziel ist die Förderung von nationaler und internationaler Forschung und wissenschaftlicher Zusammenarbeit
- Entwicklung des Feldionenmikroskops durch Erwin W. Müller; es ermöglicht eine zehnmal stärkere Auflösung als das Feldelektronenmikroskop
- Carl Gustav Jung veröffentlicht „Aion, Untersuchungen zur Symbolgeschichte”; gemeinsam mit dem Physiker Wolfgang Pauli untersuchte der Schweizer Psychologe, Psychoanalytiker und früherer Mitarbeiter Sigmund Freuds mögliche Sinnzusammenhänge von Natur und Psyche

OST:
- Beginn der Hinwendung zum „Sozialistischen Realismus“ in der Kunst, der auch zu einer engen Verzahnung von Kunst, Produktion und Forschung führen soll; den Höhepunkt wird der Sozialistische Realismus in der Bewegung des „Bitterfelder Wegs“ finden, der gleichzeitig das Scheitern dieses Ansatzes aufzeigt
- Gründung der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften

1952 WEST:
- der Mediziner und Nobelpreisträger (1939) Gerhard Domagk entwickelt eine Chemotherapie zur Behandlung der Tuberkulose, sie wird vier Jahre später auch gegen Krebs eingesetzt
- die Deutsche Forschungsgemeinschaft wird Mitglied im Internationalen Rat Wissenschaftlicher Vereinigungen (ICSU)
- der Friedensnobelpreis geht an den Arzt, evangelischen Theologen und Kulturphilosophen Albert Schweitzer
- der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden erstmals vom Bund Sondermittel zur Förderung der Forschung in Höhe von 4,9 Millionen DM zur Verfügung gestellt; mit diesen Mitteln entwicket die DFG ihr „Schwerpunktverfahren”, bei dem Forscher verschiedener örtlich getrennter wissenschaftlicher Insitutionen und Laboratorien für eine begrenzte Zeit im Rahmen einer vorgegebenen Thematik oder eines Projekts zusammenarbeiten
- in München wird die erste „Programmgesteuerte Elektronische Rechenanlage München” (PERM) erstellt

OST:
- Norbert Wiener veröffenticht „Mensch und Menschmaschine” als philosophische Grundlage der Kybernetik. Vorallem in der DDR findet sein Werk Anklang.
- der Arzt und Biochemiker Samuel Mitja Rapoport etabliert ein biochemisches Institut an der Berliner Charité; seine Forschungen führten unter anderem zur pharmazeutischen Herstellung von Insulin in der DDR

1953 WEST:
- der Chemiker Hermann Staudinger erhält den Nobelpreis für seine Arbeiten über den Zusammenhang zwischen Viskosität und Kettenlänge (Molekulargewicht) gelöster Polymere
- Werner Heisenberg und Wolfgang Pauli versuchen eine einheitliche Feldtheorie der Elementarteilchen („HeisenbergscheWeltformel”) zu entwickeln
- Unterzeichnung der Konvention zur Gründung der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) mit Sitz in Genf; die Bundesrepublik ist einer von 12 Gründerstaaten
- Neuerrichtung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung durch die Bundesrepublik Deutschland; die Stiftung vergibt Forschungsstipendien an hochbegabte junge ausländische Wissenschaftler

OST:
- Gründung des DDR-Zentralinstituts für Schweißtechnik unter Leitung von Werner Gilde; Gilde erhielt über 100 Patente und galt als einer der bedeutendsten internationalen Schweißtechniker

1954 WEST:
- Walter Bothe erhält zusammen mit Max Born für seine Arbeiten über kosmische Strahlung (Koinzidenzverfahren) und seine 1930 gemachte Entdeckung der künstlichen Kern-Gammastrahlung den Nobelpreis für Physik
- Gründung der Arbeitsgemeinschaft Industrieller Forschungsvereinigungen e. V. (AIF) in Köln; die AIF ist eine Dachorganisation zur Gemeinschaftsfinanzierung der Forschung durch Bund und Wirtschaft
- Der Philosoph Martin Heidegger veröffentlicht seine „Einführung in die Metaphysik”; Heidegger, einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten deutschen Philosophen, spricht sich entschieden gegen die moderne Wissenschaft und Technik aus - beide führen zur „Seinsvergessenheit“.

OST:
- Ernst Blochs Buch „Das Prinzip Hoffnung” erscheint; seine These, dass die Technik eine materielle Vermittlungsinstanz zwischen Mensch und Natur ist, macht ihn für kurze Zeit zum bedeutendsten Philosophen der DDR; nachdem er sich für den „humanen Sozialismus” einsetzt, verliert er 1957 seinen Lehrstuhl in Leipzig und wandert nach Westdeutschland aus
- Gründung des Ministeriums für Kultur der DDR
- unter dem Gründungsdirektor Heinrich Dathe beginnt der Aufbau des Tierparks Berlin, eines der bis heute flächenmäßig größten Europas; Dathe erhält außerdem den Professorentitel
- die Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse, ab 1966 URANIA genannt, wird in Berlin (Ost) gegründet, sie soll über Wissenschaft und Technik aufklären

1955 WEST:
- in Gelsenkirchen wird zur Bergung verschütteter Bergleute die Dahlbuschbombe entwickelt; ihren spektakulärsten Einsatz hat dieses Rettungsinstrument beim Grubenunglück von Lengede 1963, das als „Wunder von Lengede“ in die Geschichte einging
- Die Bundesregierung gründet das “Bundesministerium für Atomfragen” - Vorläufer des heutigen Bundesministerium für Bildung und Forschung - und ernennt Franz-Josef Strauß zum ersten Atomminister
- in der Mainauer Erklärung treten Nobelpreisträger, unter ihnen Otto Hahn, Adolf Butenandt, Werner Heisenberg, Hermann Staudinger und Max Born, für einen Gewaltverzicht ein und warnen vor den Risiken eines Atomkriegs
- erstmalige Verleihung des Otto-Hahn-Preises für Chemie und Physik, die Ausgezeichneten sind Lise Meitner und Heinrich Wieland
- am Max-Planck-Insitut für Physik in Göttingen wird die elektronische Rechenmaschine „G1A“ konstruiert

OST:
- der Physiker Manfred von Ardenne gründet in Dresden sein nach ihm benanntes privates Forschungsinstituts, es folgen Forschungen im Bereich Elektronen- und Ionenphysik, später im medizinischen („systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie“); Ardenne erhielt ca. 600 Patente

1956 WEST:
- der Mediziner Werner Forßmann bekommt zusammen mit André Frédéric Cournand (USA) und Dickinson W. Richards (USA) den Nobelpreis für das Verfahren der Herzkatheterisierung; er hatte 1929 das Verfahren im Selbstversuch erprobt
- der Physiker, Ingenieur und Philosoph Friedrich Dessauer veröffentlicht sein Buch „Streit um die Technik”, in dem er die Technik als positive schöpferische Kraft beschreibt, die vor allem in der Nutzung der atomaren Energien und in der Biotechnik zum Ausdruck kommt
- es entstehen eine Reihe von Forschungseinrichtungen, die Bund und Länder gemeinsam finanzieren; die Gesellschaft für Kernforschung mbH, Karlsruhe, die Kernforschungsanlage Jülich des Landes Nordrhein-Westfalen und die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt mbH, Hamburg

1957 WEST:
- der erste Reaktor in Deutschland wird als Forschungsreaktor der TU München, genannt „das Atomei“, in Betrieb genommen
- der Philosoph und Soziologe Arnold Gehlen veröffentlicht „Die Seele im technischen Zeitalter. Sozialpsychologische Probleme der industriellen Gesellschaft”; er sieht Wissenschaft, Wirtschaft und Technik als die Kernstrukturen der Gesellschaft
- Bildung des Wissenschaftsrates mit Sitz in Köln durch ein Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Ländern zur gemeinsamen Förderung der Wissenschaften
- Siemens bringt den ersten europäischen volltransistorisierten elektronischen Rechner „2002” in Serienproduktion
- Gründung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die die ehemaligen Kulturgüter Preußens verwaltet (Museen, Staatsbibliothek), sie der Allgemeinheit und Forschung zugänglich macht und den Kulturaustausch fördern soll

OST:
- Das nach dem russischen “Erd-Trabanten” (Sputnik) benannte Auto der DDR, der „Trabant”, geht in die Fertigung
- Gründung des DDR Forschungsrates (Beirat für naturwissenschaftlich-technische Forschung und Entwicklung) zur wissenschaftlichen Koordination der Wirtschaft

1958 WEST:
- der Philosoph Karl Jaspers veröffentlicht „Die Atombombe und die Zukunft des Menschen: Politisches Bewußtsein in unserer Zeit”
- der Hochfrequenztechniker Leo Brandt veröffentlicht „Die zweite industrielle Revolution”; Brandt war als Staatsekretär in Nordrhein-Westfalen vor allem an der Entwicklung der Funk- und Funkmeßtechnik beteiligt
- Beginn der Katalogisierung der orientalischen Handschriften in Deutschland; an diesem größten orientalischen Gemeinschaftsuntenehmen, das als eines der ersten geisteswissenschaftlichen Schwerpunktprogramme der Deutschen Forschungsgemeinschaft ins Leben gerufen wurde, beteiligen sich deutsche und ausländische Wissenschaftler

1959 WEST:
- das Hahn-Meitner-Institut entsteht auf Initiative einer Gruppe von Berliner Hochschullehrern
- Otto Hahn bekommt die Harnack-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft in Gold überreicht
- Gründung der Fritz-Thyssen-Stiftung, einer gemeinnützigen Stiftung zur Förderung geisteswissenschaftlicher Vorhaben
- Staatsvertrag zur Gründung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) in Hamburg.

OST:
- erste Bitterfelder Konferenz; Proklamierung des „Bitterfelder Wegs“
- auf Betreiben des Astronomen Diedrich Wattenberg wird Astronomie als obligates Schulfach eingeführt

1960 WEST:
- der „braune Rauch” über Hüttenwerken im Ruhrgebiet löst heftige Proteste aus; das private Forschungsinstitut für die Reinhaltung der Luft wird gegründet und 1963 vom Land Nordrhein-Westfalen übernommen
- die Philosophin Hannah Arendt analysiert in ihrem Buch „Vita activa oder Vom tätigen Leben” unter anderem das Verhältnis von Technikoptimismus, der Grundlagenkrise der Physik und der Entfremdung des Menschen durch weitgehende Automation
- Gründung der Agricola-Gesellschaft beim Deutschen Museum zur Förderung der Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik
- das Atomgesez der BRD erlaubt die Erforschung und Nutzung von Atomkraft zu friedlichen Zwecken

1961 WEST:
- der Bau der Berliner Mauer schneidet den Zustrom von Fachkräften aus der DDR in der BRD ab; eine verstärkte Anwerbung von Arbeitskräften aus Süd- und Südosteuropa beginnt
- das Bundesgesundheitsministerium wird gegründet; die Contergan-Affäre macht Schlagzeilen, das 1957 eingeführte Schlafmittel verursacht Missbildungen bei Neugeborenen
- der Nobelpreis für Physik geht an Rudolf Ludwig Mößbauer und Robert Hofstadter (USA) für ihre Arbeiten an der rückstoßfreien Kernresonanzabsorption von Gammastrahlen; der „Mößbauer-Effekt” ermöglicht eine scharfe Trennung von Spektrallinien
- Deutschlands erster selbstentwickelter Kernreaktor, ein schwerwasser-moderierter Nautruran-Reaktor, wird in Betrieb genommen; er wird im Wesentlichen nicht als Enerigielieferant sondern als Neutronenquelle für die Kernforschung verwendet
- die Berliner Firma Schering bringt mit Anovlar die Antibabypille auf dem Markt
- Walter Höllerer gibt die Zeitschrift „Sprache im technischen Zeitalter” heraus
- das Wörterbuch der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm, an dem seit 1851 gearbeitet wurde, gelangt zum Abschluss
- in seinem Buch „Griff nach der Weltmacht” stellt der Hamburger Historiker Fritz Firscher die Schuld der deutschen Regierung am Ersten Weltkrieg heraus und bewirkt damit eine heftige Wissenschaftsdebatte
- der Soziologe Helmut Schelsky analysiert in seinem Buch "Der Mensch in der wissenschaftlichen Zivilisation" die Bedingungen der Entwicklung von Wissenschaft und Technik
- das Deutsche Rechenzentrum (DRZ), das später in Deutschland der erste „Host“ für wissenschaftliche Informationen ist, wird mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gegründet
- Gründung der privatrechtlichen Stiftung Volkswagenwerk, die der Förderung von Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre dient
- der Theologe und Philosoph Rudolf Bultmann veröffentlicht „Das Verhältnis der urchristlichen Christusbotschaft zum historischen Jesus”; die von ihm aufgeforderte Entmythologisierung des Neuen Testaments ist von weitreichender Bedeutung für Theologie und Kirche

OST:
- das Buch „Dämon Technik?” des DDR-Philosoph Hermann Ley versteht sich als Generalabrechnung mit der kulturpessimistischen, „bürgerlichen” Sichtweise der Bundesrepublik auf Wissenschaft und Technik
- mit dem Aufbau der „Arbeitsstelle für Molekularelektronik“ Dresden unter dem Physiker Werner Hartmann beginnt in der DDR das Zeitalter der Halbleitertechnik und Mikroelektronik

1962 WEST:
- der Philosoph Martin Heidegger veröffentlicht sein Buch „Die Technik und die Kehre”, in dem er die Ambivalenz der Technik betont
- die Bundesrepublik tritt der Europäischen Organisation für die Entwicklung und den Bau von Raumfahrzeugen (ELDO) bei
- Bildung der Deutschen Kommission für Weltraumforschung
- die seit 1952 wiederaufgenommenen deutschen Ausgrabungen in Olympia, einer antiken Kultstätte des Zeus, werden von Emil Kunze im „Bericht über die Ausgrabungen in Olympia VII” beschrieben
- Gründung der Europäischen Organisation für die Astronomische Forschung in der Südlichen Hemisphäre (ESO) mit Sitz in Hamburg
- das Bundeministerium für Atomkernenergie wird in das Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung umgewandelt
- Telefunken baut die Großrechneranlage „TR-4”

1963 WEST:
- Johannes Hans und Daniel Jensen erhalten zusammen mit Maria Goeppert-Mayer (USA) den Nobelpreis für die Entwicklung des Schalenmodells des Atomkerns
- Karl Ziegler und Giulio Natta (Italien) erhalten zusammen für ihre Erfindungen im Bereich der Polymerforschungen den Nobelpreis für Chemie
- Gründung der Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF)

OST:
- am Institut für Maschinelle Rechentechnik in Dresden rattert zum ersten Mal ein Lochstreifen in den „D4a“; Nikolaus Joachim Lehmann hat den ersten Kleinst-Rechenautomaten entwickelt und ebnet damit den Weg für den PC
- das Zentralinstitut für Information und Dokumentation (ZIID) wird gegründet; die Informationsvermittlung wird als ganzstaatliche Aufgabe angesehen und wird mit dem ZIID volkswirtschaftlich strukturiert
- Kurt Mothes erhält in Halle/Saale den deutschlandweit ersten Lehrstuhl für die Biochemie der Pflanzen

1964 WEST:
- der Nobelpreis für Medizin wird Feodor Felix Konrad Lynen zusammen mit Konrad Bloch (USA) für die Arbeiten über den Mechanismus und die Regulierung des Cholesterin- und Fettsäurestoffwechsels verliehen
- Herbert Marcuse veröffentlicht „Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft” und gibt damit erste Anstöße zur Studentenbewegung

OST:
- Prof. Robert Havemann verliert aufgrund seiner Regimekritik den Lehrstuhl für Physikalische Chemie an der Berliner Humboldt-Universität, zwei Jahre später wird er von der Deutschen Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen

1965 WEST:
- Beginn des Lehrbetriebs an der als Reformhochschule gedachten Ruhr-Universtität Bochum (der Bau erweist sich als „brutales Betonlabyrinth”; und wird für die relativ vielen Selbstmorde bzw. Selbstmordversuche innerhalb der Stundenschaft mitverantwortlich gemacht)
- Hans Magnus Enzensberger gründet die Zeitschrift „Kursbuch“, es wird zum Sprachrohr der linken Intelligenz
- Start der Internationalen Hydrologischen Dekade zur Förderung der hydrologischen Wissenschaften und zur Erkundung der Wasservorkommen auf der Erde: Wasserhaushalt, Geochemie, Eosion, Einfluss des Menschen; die Bundesrepublik beteiligt sich mit Forschungen
- Siemens bringt die erste Lesemaschine mit “Optical Character Reading”-Texterkennung (OCR) heraus

OST:
- die Antibabypille wird unter dem Namen Ovosiston produziert und kostenlos verteilt

1966 WEST:
- das Kernforschungszentrum Jülich führt die erste deutsche Kettenreaktion mit einem Hochtemperaturreaktor durch
- Niklas Luhmann veröffentlicht sein „Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung“
- Verleihung des Enrico-Fermi-Preises an Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Strassmann für ihre Entdeckung der Urankernspaltung 1938/39

OST:
- ein spezielles Staatssekretariat für Datenverarbeitung wird in der DDR gegründet; es soll „die perspektivische Gesamtkonzeption für die Entwicklung und Anwendung der Datenverarbeitung” umfassend und präzise formulieren

1967 WEST:
- Manfred Eigen erhält den Nobelpreis für Chemie zusammen mit den englischen Forschern Ronald George, Wreyford Norrish und George Porter für die Forschung am Ionentransport durch Membranen
- Gründung eines nach Max von Laue und Paul Langevin benannten Instituts in Grenoble mit der weltweit stärksten Neutronenquelle durch ein deutsch-französisches Regierungsabkommen
- mit der vom Wissenschaftsrat empfohlenen Bildung von Sonderforschungsbereichen gewinnt die Arbeit der DFG einen neuen Akzent
- Einführung des Farbfernsehsystems PAL (Phase Alternation LineSystem) in der Bundesrepublik Deutschland; dieses von den meisten westeuropäischen Ländern angenommene Farbfernsehsystem wurde vom deutschen Ingenieur Walter Bruch entwickelt
- dank eines Immunserums, das von Walter Brendel und Rudolf Pichlmayr in München entwickelt wurde, gelingt die erste Herztransplantation bei einem Menschen in Südafrika

1968 WEST:
- der Philosoph Jürgen Habermas veröffentlicht sein Buch “Technik und Wissenschaft als Ideologie”, es wird zum ideologischen Bezugspunkt der Wissenschaftskritik der 68er Studentenbewegung
- BASF stiftet die Richard-Kuhn-Medaille für hervorragende Wissenschaftler; Kuhn erhielt 1938 den Nobelpreis für Chemie (überreicht 1945)
- das 3. Deutsche Atomprogramm für die Jahre 1968-1972 tritt in Kraft, es ist das erste Atomprogramm der Bundesregierung; den Schwerpunkt der Reaktorförderung bilden die Hochtemperatur-Reaktoren und schnellen Brutreaktoren, das Hauptgewicht der Kernforschung liegt auf dem Bereich der Elementarteilchenforschung
- in mehreren deutschen Städten kommt es zu Studentenunruhen und zu Demonstrationen; die Kultusministerkonferenz beschließt „Grundsätze für ein modernes Hochschulrecht und für die strukturelle Neurodnung des Hochschulwesens”
- Deutschland schließt sich der Gründung der Europäischen Physikalischen Gesellschaft mit Sitz in Genf an
- Gründung der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung
- Gründung der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung
- Gründung der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR)

OST:
- internationale wissenschaftliche Session zum 150. Geburtstag von Karl Marx

1969 WEST:
- die Kerntechnische Gesellschaft wird gegründet, eine Vereinigung von Wissenschaftlern, Ingenieuren und anderen Experten mit dem Ziel, den Fortschritt in der Kerntechnik zu unterstützen
- die DFG betreut intensiv eines der bedeutendsten internationalen Erdwissenschaftenprojekte: das „Deep Sea Drilling Project” zur Erforschung der Plattentektonik
- der 1937 gezwungen nach Amerika emigrierte Max Delbrück wird mit dem Nobelpreis für Medizin für seine vererbungswissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet
- Start des ersten deutschen Forschungssatelliten AZUR; der Satellit untersucht unter anderem die Teilchenströme im Van-Allen-Strahlengürtel der Erde

OST:
- „Maschinelle Rechentechnik“ wird als Vollstudium in der DDR eingeführt
- Bildung wissenschaftlicher Räte in der DDR am Institut für Gesellschaftswissenschaften: für soziologische Forschung (Soziologie und Empirische Sozialforschung), für marxistisch-leninistische Philosophie und für Imperialismusforschung
- Beginn der Entwicklung des ESER-Systems (Einheitliches System Elektronischer Rechentechnik), eines Großrechnersystems innerhalb des Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW)
- der „Einstein der DDR“, Hans-Jürgen Treder, übernimmt die Leitung des Zentralinstituts für Astrophysik in Potsdam; Treder zählt zu den bedeutendsten theoretischen Physikern Europas dieser Zeit
- der Informationswissenschaftler Horst Völz gründet das Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse der DDR

1970 WEST:
- in Berlin präsentieren die Elektronikkonzerne AEG-Telefunken und Decca die Bild-Ton-Platte, auf der Filme (zunächst nur in scharz-weiß) gespeichert sind
- der Nobelpreis für Medizin geht an Bernard Katz, Ulf S. von Euler und Julius Axelrod (USA) für ihre Forschungen zur Erregungsübertragung im Nervensystem
- Deutschland erlangt eine internationale Spitzenposition in der Radioastronomie mit der Fertigstellung des Radioteleskops bei Effelsberg in der Eifel

1971 WEST:
- der Bundestag verabschiedet für alle Zweige schulischer Ausbildung einschließlich der Hochschulen das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAFöG), das staatliche Beihilfen gewährt und damit zur Chancengleichheit im Bildungswesen beitragen soll
- Eröffnung der ersten internationalen reaktortechnischen Konferenz in Berlin
- auf ihrem Versuchsgelände bei München stellt der Luft- und Raumfahrtkonzern MBB die weltweit erste Magnetschwebebahn vor
- unter dem Eindruck von Terrorismus wird die permanente computergestütze Auswertung von Kriminalakten eingeführt
- Heinrich Böll erhält den Nobelpreis für Literatur

OST:
- das Komplexprogramm des RGW beschließt eine verstärkte wirtschaftlich-technische Zusammenarbeit; die DDR ist dabei in Projekte zu Satellitenfernmeldeverbindungen, Kernkraft, Elektrotechnik und Textilindustrie involviert

1972 WEST:
- Fortschritte der Elektronik und der Datenverarbeitung ermöglichen eine zweite Karriere der Röntgen-Technik; statt einfache Schattenbilder von einem durchleuchteten Körper kann mit der rechnergestützten Tomographie eine räumliche Darstellung der innernen Organe erreicht werden

1973 WEST:
- Karl von Frisch erhält zusammen mit dem Österreicher Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen (GB) den Nobelpreis für Medizin

1974 WEST:
- die Bundesregierung beschließt das „Rahmenprogramm Energieforschung" zur besseren und sparsameren Verwendung von Energie
- das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) wird in Heidelberg gegründet
- Deutschland ist eines von 16 Ländern Westeuropas, die die Europäische Wissenschaftsstiftung (ESF) mit Sitz in Straßburg gründen
- Start der deutsch-amerikanischen Raumsonde „HELIOS A“
- Start des deutsch-französischen Nachrichtensatelliten „Symphonie-1”

OST:
- Konferenz der Akademie der Wissenschaften der DDR zum 450. Jahrestag des deutschen Bauernkrieges
- IV. Philosophie-Kongreß der DDR: „Objektive Gesetzmäßigkeit und bewußtes Handeln in der sozialistischen Gesellschaft“

1975 WEST:
- in Südspanien wird ein deutsch-spanisches Gemeinschaftsobservatorium in Betrieb genommen
- Start des deutsch-französischen Nachrichtensatelliten „Symphonie-2”
- die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) wird gegründet 1976

OST:
- der Professor für Marxismus-Leninismus Günther Bohring veröffentlicht sein Buch „Technik im Kampf der Weltanschauungen”, in dem er die „bürgerliche” Wissenschaft und Technik kritisiert
- erster Einsatz der MKF 6, einer in Jena entwickelten Multispektralkamera, an Bord des Raumschiffs Sojus 22; sie stellt eine führende bis heute noch eingesetze Kameratechnik dar, das Haupteinsatzgebiet ist die geologische Erderkundung und die militärische Aufklärung
- der Astronom Dieter B. Herrmann übernimmt die Leitung der Archenhold-Sternwarte Berlin Treptow; neben seinen wissenschaftlichen Leistungen sind es auch seine populärwissenschaftlichen Schriften, die der Astronomie in der DDR zu großer Popularität verhelfen

1977 WEST:
- einer Forschergruppe aus der Bundesrepublik, Frankreich und den USA gelingt am Effelsberg-Observatorium die Entdeckung der ersten Wasserdampfwolke außerhalb unserer Galaxis

OST:
- in Ostberlin findet eine von der Bundesrepublik Deutschland veranstaltete Ausstellung „Fotografie in Wissenschaft und Technik" statt, das Interesse an der ersten westdeutschen Ausstellung in Ostberlin übertrifft mit rund 150.000 Besuchern alle Erwartungen

1978 WEST:
- das Industriekonsortium Magnetbahn Transrapid wird gegründet; als Standort für eine Teststrecke entscheidet man sich für das Emsland
- der Philosoph Friedrich Rapp leitet die „realistische Wende” im bundesdeutschen Denken über Wissenschaft und Technik mit seinem Buch „Analytische Technikphilosophie” ein
- zur Technikfolgen-Abschätzung führt die DFG ein Rundgespräch mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

OST:
- als erster Deutscher nimmt der DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn an einem Weltraumflug teil
- Gründung eines Instituts für Soziologie und Sozialpolitik zur Analyse sozialer Grundprozesse der sozialistischen Gesellschaft an der Akademie der Wissenschaft der DDR
- Eröffnung des Brecht-Haus-Berlin als Forschungs- und Gedenkstätte; Internationaler Brecht-Dialog „Kunst und Politik“ anläßlich des 80. Geburtstags von Bertolt Brecht
- Philosophiekonferenz der Akademien der Wissenschaften sozialistischer Länder über Probleme der marxistisch-leninistischen Philosophie
- internationale wissenschaftliche Konferenz über die aktuelle Bedeutung der ökonomischen Lehre von Karl Marx

1979 WEST:
- der Chemiker Georg Wittig erhält zusammen mit Herbert C. Brown (USA) den Nobelpreis für die 1954 entdeckte „Wittig-Reaktion”, mit der zahlreiche Naturstoffe (z.B. Carotinoide und Steroide) synthetisiert werden können
- der Philosoph Günther Anders veröffentlicht sein gesellschaftskritisches Buch „Die Antiquiertheit des Menschen. Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution”; Anders gewann seine düstere Interpretation der Technik im Kontext seiner Fabrikarbeit am Fließband während der Emigrationszeit nach 1936 in den USA
- der Philosoph Hans Jonas veröffentlicht sein Buch „Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation”
- die Robert Bosch GmbH bringt ein neues Halbleiter-Bauelement auf den Markt, einen Zeilensensor, der Bilder eines kontinuierlich ablaufenden Films zeilenweise abtastet (CCD-Bildwandler)
- Gründung des Deutschen Primaten-Zentrums in Göttingen
- Wissenschaftlern am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg gelingt der Nachweis von Gluonen als Träger der Kräfte ziwschen den Quarks
- der Etnologie Karl Jettmar erforscht und dokumentiert Felsbilder und Inschriften in den Bergen Nordpakistans, die eine wichtige neue Quelle für die antike und frühmittelalterliche Geschichte dieser Region bedeuten
- Die DFG veranstaltet ein Rundgespräch zur Formenmannigfaltigkeit der Organismen; die Biologen befinden sich in einem „Wettlauf mit der Zeit”, da viele Tier- und Pflanzenarten von der Ausrottung bedroht sind
- Telefunken entwickelt die Mini-Disk (MD), eine CD-ähnliche Scheibe. Die MD wird später vorallem von Japanischen Elektronikfirmen hergestellt.
- Gründung der Gesellschaft für Weltraumforschung und Raumfahrt (GWR)

OST:
- V. Philosophie-Kongress der DDR: „Dialektik des Geschichtsprozesses in der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus“

1980 WEST:
- die deutsche Polarforschung erhält wesentliche Impulse durch die Gründung des Alfred-Wegener-Instituts für Polarfoschung in Bremerhaven
- das Bundesministerium für Forschung und Technologie initiiert ein „Forum Technischer Wandel und Beshäftigung”; mit ihm soll in engem Kontakt mit den gesellschaftlichen Gruppierungen, wie den Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, eine breite Diskussion über die sozialen Folgen des technischen Wandels, insbesondere ausgelöst durch die Mikroelektronik, angeregt werden

OST:
- Beginn des Einsatzes des U880-Prozessors in Kleincomputern der DDR, es handelte sich dabei um eine 1:1-Kopie des bis heute erfolgreichsten 8-bit-Prozessors Z80 der Firma Zilog; die Computerindustrie der DDR hat sich von der Forschung weg hin zur Industriespionage verlagert

1981 WEST:
- unter dem Titel “Telematik” wird die Verkoppelung von Telephon, Computer und Fernsehen in Deutschland angegangen

1982 WEST:
- das Bundesministerium für Forschung und Technologie legt den „Leistungsplan Fachinformation 1982-1984“ fest, in dem der Aufbau einer deutschlandweiten Datenbankstruktur dargelegt wird

OST:
- internationales wissenschaftliches Kolloquium in Weimar zum Thema „Goethe und unsere Epoche“ anläßlich des 150. Todestags des Dichters

1983 WEST:
- auf der Nordseeinsel Pellworm geht das erste deutsche Solarkraftwerk in Betrieb
- die weltweit bedeutendste Versuchsanlage zur Erforschung der Kraftwirkung des Seegangs auf Bauwerke des Küstenschutzes und der Meerestechnik wird in Hannover in Betrieb genommen

1984 WEST:
- Georges Köhler, Niels K. Jerne (Dänemark) und César Milstein (Argentinien) erhalten den Nobelpreis für Medizin für ihre Theorien über den spezifischen Aufbau und die Steuerung des Immunsystems und die Entdeckung des Prinzips der Produktion von monoklonalen Antikörpern
- das europäische Forschungsprogramm „Informationstechnologie“ (ESPRIT) startet
- das Bundesministerium für Forschung und Technologie legt das Programm „Umwelforschung und Umwelttechnologie” vor
- die erste Internet-E-Mail wird in Deutschland empfangen: Werner Zorn von der Universität Karlsruhe empfängt eine Grußbotschaft der US-amerikanischen Plattform CSNET

OST:
- erste deutsche Anlage zur Nutzung von erwärmten Wasser aus dem Erdinneren in Neubrandenburg

1985 WEST:
- Klaus von Klitzing bekommt den Nobelpreis für Physik für seine Arbeiten zur Festkörperphysik, vor allem über den Hall-Effekt in MOSFETS (Metalloxid-Silicium-Feldeffekttransistoren)
- das deutsch-französische Hochtechnologiekonzept EUREKA wächst zum europaweiten Projekt an
- das Bundesministerium für Forschung und Technologie veröffentlicht das Programm Materialforschung; seine Schwerpunkte umfassen die Materialien Strukturkeramik, Pulvermetallurgie, neue Polymere, Verbundwerkstoffe und metallische Hochtemperaturwerkstoffe
- erste deutsche wissenschaftliche Weltraum-Mission D1 mit den Wissenschaftsastronauten Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid an Bord des von der amerikanischen Raumfähre “Challenger” mitgeführten europäischen Raumlabors „Spacelab“

OST:
- der Rektor der Bergakademie Freiberg/Sachsen, der Chemiker Hans-Heinz Emons, wird Mitglied der Königlich-Norwegischen Wissenschaftsakademie; Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Mineralsalztechnologie

1986 WEST:
- Gerd Binnig, Ernst Ruska und der Schweizer Heinrich Rohrer erhalten für ihr Rastertunnelmikroskop den Nobelpreis für Physik
- Ulrich Beck, einer der bekanntesten Soziologen Deutschlands, reagiert auf die Katastrophe von Tschernobyl in seinem Buch „Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne”
- Niklas Luhmann wirft in seinem Buch „Ökologische Kommunkation” die Frage auf: „Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen?”
- nach zwölfjähriger Verhandlung schließen die DDR und die BRD ein Kulturabkommen ab, das die Zusammenarbeit in Kunst, Kultur, Bildung und Wissenschaft fördern soll; auch Museen und Archive werden mit einbezogen und ermöglichen so einen verstärkten wissenschaftlichen Austausch
- Einrichtung eines Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der BRD

1987 WEST:
- Johannes Georg Bednorz und der Schweizer Karl Alexander Müller erhalten den Physiknobelpreis; sie haben 1986 einen keramischen Hochtemperatur-Supraleiter entdeckt
- der Transrapid 06 fährt auf den insgesamt über 31,8 Kilometern im Emsland 392 Stundenkilometer schnell; es ist die größte Versuchsstrecke dieser Art auf der Welt
- die Akademie der Wissenschaften wird in West-Berlin gegründet
- die Bundesrepublik erklärt ihre Bereitschaft, an den Großprojekten der Europäischen Weltraumorganisation ESA mitzuwirken
- der erste Windenergiepark der Bundesrepublik wird am Kaiser-Wilhelm-Koog in Schleswig-Holstein in Betrieb genommen
- die DFG fördert ein Projekt zur Entwicklung opto-elektronischer Computer

1988 WEST:
- internationaler Ozon-Kongreß in Göttingen
- der in Deutschland geborene Jack Steinberger erhält, zusammen mit den Amerikanern Leon Lederman und Melvin Schwarz, den Nobelpreis für Physik
- Johann Deisenhofer, Robert Huber und Hartmut Michel bekommen zusammen den Nobelpreis für die röntgenstrukturanalytische Aufklärung der dreidimensionalen Struktur des photosynthetischen Reaktionszentrums von Purpurbakterien

1989 WEST:
- mit dem Verzicht auf die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf wird eine Wende in der deutschen Atompolitik eingeleitet
- Wolfgang Paul bekommt zusammen mit Hans Georg Dehmelt (USA) den Nobelpreis für die Entwicklung einer Ionenfalle, der ”Paul-Falle”
- Öffnung der innerdeutschen Grenze; Mauerfall

1990
- das World Wide Web wird von CERN entwickelt

1991
- Erwin Neher und Bert Sakmann erhalten zusammen den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entwicklung der Patch-Clamp-Methode, diese dient zur Messung der äußerst schwachen Ionenkanal-Ströme

1992
- Gründung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

1994
- Reinhard Selten, John C. Harsanyi (USA) und John F. Nash Jr. (USA) werden für ihre Analysen der nichtkooperativen Spieltheorie mit dem Nobelpreis geehrt
- das Projekt Gutenberg bietet Titel (u.a. die Bibel) als elektronische Textversionen im Internet an
- Siemens beginnt mit der Errichtung der ersten deutschen Datenautobahn, sie verbindet Köln, Berlin und Hamburg per Glasfaserkabel

1995
- Christiane Nüsslein-Volhard wird als erste deutsche Wissenschaftlerin zusammen mit Edward B. Lewis (USA) und Eric F. Wieschaus (USA) mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Forschungen über die genetische Kontrolle der frühen Embryonalentwicklung ausgezeichnet
- der niederländische Meteorologe Paul Crutzen erhält den Nobelpreis für Chemie für seine grundlegende Arbeit; er zeigte auf, dass Chlor aus den FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) als »Ozon-Killer« in der Stratosphäre wirkt; Crutzen war von 1980 bis 2000 Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz
- das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) wird von Bosch erstmals gefertigt

1996
- die Bundesregierung startet das vierjährige Programm „Information als Rohstoff für Innovation“

1998
- Horst Ludwig Störmer, Robert B. Laughlin (USA) und Daniel C. Tsui (USA) werden für die Entdeckung des fraktionierten Quanten-Hall-Effekts mit dem Nobelpreis ausgezeichnet

1999
- der deutsch-amerikanische Forscher Günter Blobel erhält den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie für die Entwicklung der sogenannten Signal-Hypothese

2000
- Herbert Kroemer und der Russe Zhores I. Alferov werden für ihre bahnbrechenden Entdeckungen auf dem Gebiet der geschichteten Halbleiterstrukturen, der Basis für die modernen Hochgeschwindigkeits- und Optoelektronik, mit dem Nobelpreis geehrt

2001
- Wolfgang Ketterle erhält zusammen mit Eric A. Cornell (USA) und Carl E. Wieman (USA) den Noblepreis für Physik; sie werden für die Untersuchung des Verhaltens von Atomen bei sehr niedrigen Temperaturen und die Erschaffung des Bose-Einstein-Kondensats, der fünften Erscheinungsform der Materie neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma, ausgezeichnet
2007
- Gerhard Ertl erhält für seine „Studien von chemischen Prozessen auf Festkörperoberflächen” den Nobelpreis für Chemie

2008
- der Nobelpreis für Medizin geht an Harald zur Hausen; er hat die Papillomviren entdeckt, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können und schuf die Grundlagen für einen breit angewandten Impfstoff

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